Ich gebe es zu, ich bin kein Freund des nasskalten Winters in unserer Region. Darüber hinaus kann ich mich besser auf’s Schreiben konzentrieren, wenn ich nicht zu Hause bin, sondern möglichst irgendwo in der Einöde weile, wo ich keinen Internetzugang habe und so der Verlockung erst gar nicht unterliege, alle paar Minuten auf’s Smartphone zu schauen, um Nachrichten zu beantworten oder einfach nur durch meine Timeline zu blättern.
Nachdem ich die letzten Jahre überwiegend in Kenia und Tansania überwintert habe (dort sind zum weit überwiegenden Teil meine ersten drei Thriller entstanden) wollte ich diesmal etwas anderes ausprobieren. Westafrika kenne ich schon seit meiner Jugend (ich bin so wie mein Protagonist Armin Anders ein Jahr in Lagos/Nigeria zur Schule gegangen), doch in Ghana war ich noch nie. So verschlug es mich diesen Winter nach langer Zeit wieder mal an den Golf von Guinea.
Ich landete kurz nach Mitternacht nach einem Stopover in Lissabon in der Millionenstadt Accra, bewaffnet mit meinem Trekkingrucksack auf dem Buckel und einem Kleinen für den Laptop, Kamera und sonstige Wertsachen, den ich die ganze Reise über tunlichst niemals nicht aus den Händen gab. Nachdem ich die Nacht auf einer harten Metallbank im Eingangsbereich des Flughafens verbrachte, machte ich mich nach Rückkehr des Tageslichts mit einem Taxi auf nach Kaneshie, einem anderen Stadtteil der riesigen Stadt Accra. Für die 25-minütige Fahrt musste ich eindeutig zu viel zahlen, doch ist man morgens um sechs Uhr mit großem Gepäck der Taximafia am Flughafen mehr oder weniger wehrlos ausgeliefert. Immerhin konnte ich den anfänglich aufgerufenen Preis von umgerechnet zwölf Euro auf acht Euro drücken.
Von Kanshie aus nahm ich einen „Ford-Bus“ in die Industrie- und Hafenstadt Sekondi-Takoradi. Warum diese Kleinbusse dort Ford-Busse genannt werden, hat sich mir nicht wirklich erschlossen, sind sie doch fast ausschließlich Kleinbusse anderer Marken wie Toyota, Nissan oder Mercedes. Die Fahrt über die für afrikanische Verhältnisse recht gut ausgebaute Strecke von ca. 230 km dauerte rund fünf Stunden. Bequem ist so eine Reise nicht, sitzt man doch sehr eingeengt und legt diverse Stopps ein, die bei über dreißig Grad und hoher Luftfeuchtigkeit an die Substanz gehen, da die Hitze im Kleinbus ohne Fahrtwind schwer zu ertragen ist. Doch ist diese Reisemöglichkeit mit umgerechnet fünf Euro sehr günstig.
In Takoradi angekommen, wurde ich an einem kleinen Busbahnhof rausgelassen und musste mir ein sogenanntes Trotro nach Agona suchen. Trotros sind auch Kleinbusse und bilden das Hauptverkehrsmittel in Ghana. Sie fahren den ganzen Tag und auf vielen Routen auch in der Nacht bestimmte Strecken ab und sammeln dabei Passsagiere ein. Man steht einfach an der Straße und winkt eins heran. Wenn es einen Platz frei hat, hält es, ansonsten saust es an einem vorbei und man wartet auf das Nächste. Man fragt, ob es dorthin fährt, wo man hinwill, wenn einem dies nicht schon lauthals entgegengerufen wird, und steigt ein. Der Fahrpreis wird unterwegs eingesammelt und beträgt auf kürzeren Strecken nur ein paar Cent. In Takoradi hatte ich das Problem, dass das Trotro zuvor gerade erst abgefahren war und ich somit länger warten musste, bis das Nächste gefüllt war, denn nur dann fahren sie los. In Ghana hat man Zeit, viel Zeit, und wenn man sie nicht hat, dann muss man sich daran gewöhnen, Zeit zu haben. Ich saß eine dreiviertel Stunde im brütend heißen Trotro und wartete, bis es endlich voll wurde. Eine weitere Dreiviertelstunde später kam ich in Agona an und machte mich mit meinem Gepäck auf den Weg zum Taxistand, von wo Sammeltaxis zu diversen Orten in der Nähe abfahren. Am Nachmittag erreichte ich endlich meinen Hauptüberwinterungsort Busua.
Busua ist ein kleiner Fischer- und Badeort, verschlafen und verträumt. Die Menschen dort, hauptsächlich vom Stamme der Ahanta, sind sehr konservativ, die meisten Häuser verfügen nicht über fließend Wasser. Ich nächtigte in der Arena Lodge und fühlte mich sehr wohl dort. Oft saß ich im Liegestuhl auf der großen Terasse und schrieb an meinem dritten Armin Anders Thriller, doch meistens tat ich dies im bequemen Bett meines Zimmers.
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Ausblick von der Terrasse aufs Meer:
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Nach dem Erreichen meines Tageszieles verbrachte ich die Zeit am Strand oder machte Spaziergänge. Der Strand dort ist herrlich. Okay, wenn man Traumstrände in Südostasien und der Karibik kennt, vergibt man vielleicht nur die Schulnote Zwei. Doch es lässt sich dort aushalten und ich wurde nicht müde, einfach nur am Strand zu sitzen, die Seele baumeln zu lassen und zwischendurch zu schwimmen und im Wasser zu planschen. Der Strand war sehr leer, kein Vergleich zu Mittelmeerstränden im Hochsommer.
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Nur an einem Tag brach eine Art Invasion in das ruhige Fischerdort ein. Am 1. Januar 2018 kamen unzählige Autos, Busse und Taxis angefahren und spülten Tausende von erholungswütigen Menschen hervor, die alle an diesem Tag den Strand bevölkerten. Afrikaner sind meist laut, sehr laut. So hörte man überall ein lautes Geschnatter vermischt mit Musik aus diversen Smartphones und – ja, auch so etwas habe ich wieder mal gesehen – Ghettoblastern.
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Am späteren Nachmittag so ab siebzehn Uhr leerte sich der Strand allmählich und schon um neunzehn Uhr war Busua Beach wieder das verträumte Fischerdorf. Das soll wohl jedes Jahr so passieren und zwar nur zu Neujahr und zu Ostern. Am nächsten Tag war der Strand wieder nahezu menschenleer.
Im Restaurant der Arena Lodge habe ich so manch leckeres Essen genossen:
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Hier köstlicher Hummer (Lobster) fangfrisch aus dem Meer:
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Mein Lieblingsgetränk auf dieser Reise: Ghanaisches Bier der Marke Club für umgerechnet einen bis EUR 1,40 für das übergroße 0,625 Liter Bier:
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Nach getaner Arbeit ruht es sich gut:
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Luxusvilla am Strand: Wurde mir nach dem Schießen dieses Bildes tatsächlich zum Kauf angeboten. Ich bin nicht in die Preisverhandlungen eingestiegen, sondern habe mich vom Acker gemacht.
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Spielende Kinder trifft man überall. Hier wird noch draußen und vor allem zusammen gespielt, anstatt isoliert im Zimmer miteinander zu chatten:
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Die Fortsetzung in Form von Teil 2 folgt demnächst.