Freunde fürs Leben


Ich erinnere mich noch genau, wann es war. Es ist fast so, als wäre es erst gestern gewesen. Und doch war es schon länger her, aber immer noch so gegenwärtig. Dieser wunderbare Moment, an dem du, mein lieber Freund, in mein Leben tratst. Was hätte ich nur ohne dich getan in dieser Situation? Du hast mich zum Lachen gebracht, aber trotz des vielen Spaßes, haben wir schnell erkannt, wie viele Gemeinsamkeiten wir doch haben.

Es kommt wahrlich nicht so oft im Laufe eines Lebens vor, jemanden zu finden, mit dem man so viele Dinge teilt. Ja, mit dem man richtiggehend seelenverwandt ist. Einfach Freunde fürs Leben halt!

Doch alles der Reihe nach. Es war an der entfernten Ostküste im noch weiter entfernten Afrika. Dem Kontinent mit der roten Erde und der gnadenlos sengenden Sonne, der Big Five und unzähliger anderer interessanter Tiere, die man auf Safaris oder manchmal auch abseits der Straße entdecken kann. Etwas südlich des Äquators, genauer gesagt in der Hibiscus Lodge in Mtwapa/Kenia.

Hoch motiviert und durch ein üppiges Frühstück gestärkt, richtete ich mir meinen Arbeitsplatz am Pool ein. Es war für mich ideal meine Seele dort baumeln zu lassen und einen freien Kopf zu bekommen, um die notwendigen Zeilen für meinen zweiten Thriller aufs Papier zu bringen. Ich machte es mir auf einer Liege gemütlich. Ihr wisst schon, diese Dinger, mit Rollen an einer und zwei Beinen an der anderen Seite, mit einer Schaumstoffauflage und einem Handtuch darüber. Mit der Lehne hoch aufgerichtet und dem Laptop auf meinem Bauch flogen meine Finger nur so über die Tastatur. Ich war in einer guten Schreibphase. Irgendwann habe ich tief in meinem Gedankenfluss meinen rechten Fuß von der Liege baumeln lassen, so dass mein großer Zeh den Boden berührte. Ja, so muss es gewesen sein, denn irgendwann hast du diese Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Erst ein ganz zartes Kribbeln und dann immer mehr ein Kitzeln verspürte ich, als du meinen Zeh packtest. Verwundert erhob ich meinen Oberkörper und da war er: Dieser magische Augenblick. Jener Moment, als wir uns das erste Mal in die Augen blickten! Dieser Blick aus deinen braunen Augen ging mir durch Mark und Bein. Unglaublich!

Du bist sicher nicht der gesprächigste Zeitgenosse und doch ein wahrlich putziges Kerlchen. Kurz nach deiner Kitzelattacke auf mich bist du immerfort auf den Natursteinen vor dem Pool hin und her gesaust. Mal bist du dabei auf meine Sandalen gestiegen, mal hast du versucht die Sonnenliege zu entern. Doch am besten hat mir eindeutig deine Liebe zum Wasser gefallen. Da sind wir uns scheinbar sehr ähnlich, denn ich muss auch ständig das Meer, einen See oder einen Pool in meiner Nähe haben. Du nahmst Anlauf und sprangst über den Beckenrand. Welch ein herrliches Gefühl ins erfrischende Nass einzutauchen. Du hast ewig im Wasser geplantscht und ich habe dir gerne dabei zugeschaut. Schön, jemanden getroffen zu haben, der das Wasser ebenso genießt und dabei auch noch Sonne tankt, wie ich es so gerne mache.

Irgendwie hast du mich dann aber doch ein wenig irritiert. Ja, ja, ich geb’s zu, auch ich liebe es, lange in der Sonne zu braten. Dieses umwerfende Gefühl, die wärmenden Strahlen auf der Haut zu spüren und sich dabei vorzustellen, wie man jede Minute brauner wird, um die schreckliche Winterblässe endlich hinter sich zu lassen. Bis man es nicht mehr aushält, weil sich einem schon überall Schweißperlen auf der Haut bilden, die kitzelnd der Schwerkraft folgen. Dann ist es endlich Zeit wieder ins Wasser zu gehen, um sich abzukühlen. Doch deine unglaubliche Ausdauer irritiert mich.

Zugegeben, du hast die bessere Technik. So ein guter Rückenschwimmer wie du werde ich wohl nie werden, egal wieviel ich noch übe. Du hast dich dort im Pool in Kenia einfach auf den Rücken gelegt. Bist quasi übers Wasser geschwebt und hast dabei deine Arme und Beine Baumeln lassen. Beeindruckend! Wenn ich das versuche, drohe ich immer zu ertrinken. Nur damals im toten Meer in Israel hatte das auch bei mir hervorragend geklappt, doch das ist eine andere Geschichte.

Meinst du nicht, du übertreibst es ein wenig? Schon seit Stunden lässt du dich übers Wasser treiben, nur der Wind und die Wellen bewegen dich ein wenig hin und her? Das ist sicherlich schön entspannend, doch allmählich halte ich das ganze für Angeberei.

Zwischendurch war ich auch ein paar Mal im Pool. Im selben Pool wie du. Aufregend! Bin geschwommen, wir haben geplantscht und ich habe dich mit Wasser bespritzt. Hat sicher gekitzelt auf deinem Bauch, denn du hast dabei ganz putzig wild mit Armen und Beinen gestrampelt. Doch nun ist es echt Zeit, Bruno, komm bitte aus dem Wasser! Hörst du? Ich bitte dich als Freund, lass uns ein wenig ausruhen und später noch einmal ins kühle Nass gehen. Deine Haut wird sonst noch ganz schrumpelig.

Bruno! Meinst du nicht, dass du selbst beim höchsten Sonnenschutzfaktor nicht deiner Haut mal ein wenig Pause gönnen solltest? Beschwere dich bitte nicht, wenn du irgendwann Hautkrebs bekommst. Ich habe dich nicht nur einmal gewarnt!

Manchmal im Leben merkt man, dass man auf dem Holzweg ist, ja sich sogar in jemandem anderen bitter getäuscht hat. Individuen spielen einem oft etwas vor, was dann gar nicht so ist. Das tut weh!

Vermutlich wolltest du nie mein Freund sein, Bruno, doch habe ich das wohl zu lange nicht sehen wollen, einfach verdrängt. Ständig versuchte ich, mit dir ins Gespräch zu kommen, so etwas wie eine Beziehung aufzubauen. Doch ich hasse Monologe. Freundschaften leben vom Gedankenaustausch miteinander, sich in guten und schlechten Zeiten verlässliche Partner zu sein und nicht egoistisch bis in die tiefe Nacht ohne Rücksicht auf die Wünsche seiner Freunde nur dem eigenen Hobby zu frönen. Kopfschüttelnd ging ich beim Anbruch der Dunkelheit auf mein Zimmer. Beim Gehen wünschte ich dir noch einen schönen Abend, doch du erwidertest meinen Gruß nicht.

Am nächsten Tag schrieb ich wieder am Pool. Als ich in einer Schaffenspause meine Augen über den Laptop hinweg auf den Pool gleiten ließ, entdeckte ich dich. Selbstgefällig hast du dich wieder auf dem Rücken liegend im Wasser treiben lassen. Als ich einen letzten Anlauf nahm, das Eis zwischen uns nochmal zu brechen und dich mit einem lauten „Hallo Bruno“ begrüßte, hast du mir nicht zugenickt, keine Hand zum Gruß erhoben, ja, nicht einmal mit dem Zeh gewackelt. Nichts – nada – nothing! So geht das nicht, Bruno, ich hoffe, du wirst das auch irgendwann noch lernen. So behandelt man seine Freunde nicht, Bruno, du Kakerlake du!

Bruno die Kakerlake

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Über Uwe Alexi

Der Chaosschreiber: Wenn ich beginne, ein Buch zu schreiben, habe ich keinerlei Ahnung, was mich erwartet, wie es weitergeht, wo mich meine Fantasie hintragen wird. Ich schreibe chaotisch, so ist mein Leben. Ich liebe es!
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