Meine Geschichte mal anders

Für Ernst & Young, einer der Big Four Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit über 200.000 Mitarbeitern weltweit, arbeitete ich fast 10 Jahre. Eine anspruchsvolle, herausfordernde, aber auch sehr wichtige Zeit in meinem Leben, die ich nicht missen möchte! Umso schöner, dass nun ein Artikel über deren ehemaligen Mitarbeiter Uwe Alexi auf der EY Alumni Webpage erschien, den ich hier mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin Stefanie Herzog wiedergeben darf:

EY Alumni Webpage

Was wurde eigentlich aus… Uwe Alexi?

Das Image des korrekten Steuerberaters hat er längst abgelegt; das Jackett hat er beibehalten und mit Bluejeans und Karohemd kombiniert. Auf Fotos inszeniert er sich gern mit Hut und Zigarre. Die Lederhalskette mit dem Haifischzahn und die streng zum Pferdeschwanz gebundenen Haare suggerieren dem Gegenüber „Aussteigertyp“; sein Auftreten ist zurückhaltend. Die Länge der Haare deutet darauf hin, dass Uwe Alexi dieses Image nicht erst seit gestern pflegt. Den letzten Job, der ein konservatives Aussehen verlangte, hat er 2010 an den Nagel gehängt. Seither ist Uwe Alexi hauptberuflich Buchautor und nebenberuflich Interimsmanager – bei Projekten, in denen es dem Kunden nicht darauf ankommt, ob der Consultant optisch dem klassischen Berufsbild entspricht. „Bis ich allein vom Schreiben leben kann, dauert es vermutlich noch ein Weilchen“, prognostiziert er.

Uwe Alexi, der Ex-Workaholic, der bei EY mit einer Unterbrechung zwischen 1992 und 2004 eine steile Karriere hinlegte und auf der Partnererwartungsliste stand, hat sein Leben entschleunigt. Er lebt in einem Haus mit großem Garten in Bad Homburg im Taunus, teilt seine Zeit frei ein und braucht nach eigener Aussage keine Arbeit, um glücklich zu sein. Neben seinem Blog schreibt Alexi Thriller und hält Lesungen online, in Cafés, Bibliotheken und in Buchhandlungen. So, wie Autoren das eben machen. Seine beiden Erstlingswerke haben auf einschlägigen Bücherportalen Topbewertungen bekommen; dennoch „ist es ohne Verlag nicht ganz einfach, berühmt zu werden“, stellt Alexi nüchtern fest, „denn heutzutage schreiben viele ein Buch.“

An seinem ersten Buch „Niemand wird dich vermissen“ arbeitete er nur ein Jahr, er hat „einfach losgeschrieben“. „Die Handlungsstränge waren plötzlich in meinem Kopf, ich hatte ein paar Geistesblitze und ausreichend Zeit“, erzählt er. „Allerdings dauerte die Feinarbeit mit all den Korrekturen, Testlesern und dem Lektorat fast genauso lang wie das Schreiben selbst“, erinnert er sich. „Beim nächsten Buch mache ich einen Plot und entwerfe vorher ein grobes Bild – Lessons Learned – hoffentlich!“

Nach Fertigstellung vermarktete er sein erstes Buch zunächst als E-Book. Bis dahin hatte er noch nie eine Lesung besucht und vom Buchmarketing wenig Ahnung. „Am Anfang weiß man ja nichts“, gesteht der Alumnus freimütig ein. „Ich kannte den Markt nicht und wusste nichts über das Autoren-Haifischbecken.“ Nachdem das E-Book bei Amazon erhältlich war, wollte er aber doch auch ein paar Druckexemplare in der Hand halten und erstellte über Create Space sein eigenes Druckformat. Jetzt ist er in der Lage, nach seinen Lesungen seine Bücher mit Widmung zu verkaufen, und die Leser sind dankbar dafür. Ende 2015 gründete er kurzerhand seinen eigenen Verlag, um seine Präsenz im stationären Buchhandel zu verbessern. Das Feedback seiner Leser zu seinen ersten Pharma-Thriller, dessen Protagonistin eine junge Wirtschaftsprüferin ist, die in einer großen WP-Gesellschaft in Eschborn arbeitet, ist durchweg positiv und spornt Alexi zu weiteren Büchern an. „In meinem zweiten Buch ‚Opfer und Täter‘ habe ich vorsorglich einen Helden eingeführt, dessen Geschichte fortgesetzt werden kann, sodass mir das dritte Buch locker aus der Feder fließen wird“, zeigt er sich optimistisch.

Uwe Alexi scheint seinen Platz im Leben gefunden zu haben. Bücher schreiben, selbst über seine Zeit verfügen, das ist das, was er will – und seit 2013 tut. Der Diplom-Kaufmann hat in seinem Berufsleben viel erlebt, bevor er diese Entscheidung traf. Aufgewachsen im Rhein-Main-Gebiet und in Nigeria, zog er mit fünfzehn Jahren mit seinen Eltern nach Österreich an den Wörthersee, beendete dort das Wirtschaftsgymnasium und lernte akzentfrei kärntnerisch sprechen. „Kärnten ist wunderschön und das Wetter ist so viel besser als im Rhein-Main-Gebiet“, schwärmt Alexi. Daher blieb er auch für sein Studium dort und absolvierte klassische BWL mit Schwerpunkt Controlling und Organisationsentwicklung. „Eigentlich wollte ich nicht mehr weg aus Österreich“, erinnert sich der zweifache Familienvater. „Aber meine damalige Freundin zog es aus beruflichen Gründen nach Deutschland, und so ging ich mit und bewarb mich auf Controlling-Stellen.“ In der Frankfurter Rundschau fand er eine Kleinanzeige der Firma Siefert, Sättele und Partner AG (ein Unternehmen der Datag Gruppe), in der ein Steuerberater- und Wirtschaftsprüfungsassistent in Kelkheim gesucht wurde. „Klang interessant“, erinnert sich Alexi, „aber eine förmliche Bewerbung war mir zu viel Aufwand, also rief ich einfach mal dort an.“ So lernte er Anfang 1992 Eckhard Sättele kennen, damals Partner bei der Kelkheimer Firma. Für den nächsten Tag bekam er ein Vorstellungsgespräch und kurz darauf einen Arbeitsvertrag. Zügig machte er sein Steuerberaterexamen. Die Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei gefiel ihm gut, „wir hatten Topmandate wie Steigenberger, Metzler und die Quandts und waren eine nette Truppe“, blickt er zurück. Deswegen wurden sie auch bald von der Schitag Ernst & Young Deutsche Allgemeine Treuhand AG mit Sitz in Weilimdorf übernommen. Nach der Übernahme und dem Umzug von Kelkheim nach Frankfurt mussten sich die Mitarbeiter entscheiden, ob sie als Steuerberater oder als Wirtschaftsprüfer tätig sein wollten; Alexi behielt als einziger aus der Steuerabteilung drei Prüfungsmandate. „Ich habe sehr viel gearbeitet in der Zeit und liebte meinen Job“, erzählt der ehemalige Wirtschaftsprüfer. „Aber ich habe immer nur national gearbeitet und wir hatten einen riesigen Druck wegen der Stundensätze.“ Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der ehrgeizige Alumnus von einem der internationalen Partner abgeworben wurde. Rüdiger Voigt, ein Steuerpartner mit lukrativen internationalen Mandanten, versprach ihm einen Karriereschub und mehr Geld. Das sprach Uwe Alexi an und er wechselte. Doch die Stimmung in der Abteilung kippte, die Boni fielen nicht ganz so üppig aus wie gedacht. Aufgrund seiner Unzufriedenheit mit dem Bonusbrief kündigte er spontan. „Ich hatte unglaublich viel gearbeitet und folglich so viel Resturlaub, dass ich am Tag der Kündigung meinen Resturlaub antrat und nicht mehr wiederkam.“

Eckhard Sättele, der zwischenzeitlich die Frankfurter Niederlassung von EY leitete, rief ihn an und wollte ihn zurückgewinnen, schließlich stehe er auf der Partnererwartungsliste. Aber Alexi lehnte ab. „Ich wollte nichts sehnlicher als eine Auszeit. Ich wollte Motorrad fahren, Golf spielen, und einfach mal nichts tun.“ Er hatte weder Finanz- noch Zukunftssorgen. „Der Markt war gut, und außerdem wollten einige meiner Kunden bei mir bleiben.“ Der Steuerberater machte sich also selbstständig und arbeitete einen halben Tag pro Woche, um die Kunden zufriedenzustellen. Den Rest der Zeit ließ er es sich gut gehen und genoss die Auszeit, die letztlich anderthalb Jahre andauerte.

Nach der Pause stieg Uwe Alexi projektweise wieder ein. Zunächst betreute er freiberuflich ein Projekt für Peter Fuß, der damals Partner in der Audit war. „Ich mochte die freiberufliche Arbeit“, sagt Alexi, „es war ein gut bezahlter Job, der Spaß machte.“ Als er fühlte, dass es wieder Zeit für einen Vollzeitjob wurde, hatte er grade einen Vertrag bei einem Unternehmen im Norden als Leiter Finanzen unterschrieben, als Peter Fuß ihn anrief und überredete, bei EY in der Service Line TAS einzusteigen. Die Transaction Services reizten ihn sehr wegen interessanter Projekte und hoher Stundensätze, aber er musste zwei Kröten schlucken. „Ich konnte nicht als Senior Manager einsteigen, sondern nur als Manager, weil ich servicelinefremd war, und ich bekam bedeutend weniger Gehalt als bei dem Unternehmen im Norden, aber ich konnte bei Frau und Kindern in Frankfurt bleiben.“

„In der TAS war es aufregend“, erinnert sich Alexi, „und ich habe gearbeitet wie ein Pferd. 80 bis 100 Stunden die Woche, die chargeable waren, kamen immer wieder mal vor.“ Er hatte kein Privatleben mehr und lebte nur noch für den Job. „Als ich in einer Woche inklusive Samstag und Sonntag auf 120 Stunden kam, fiel meine Entscheidung aufzuhören.“ Aber es waren nicht nur die reinen Stunden, die ihn zu diesem Entschluss veranlassten. Es war vielmehr die Tatsache, dass „ich den Punkt erreicht hatte, an dem ich das Geschäft verstanden hatte und beherrschte und unter dem Stress zu leiden begann – der Reiz des Neuen war weg.“ Dazu kamen eine Neurodermitis und eine Bandscheibengeschichte. All dies bewog ihn, nach eineinhalb Jahren bei der TAS 2004 komplett auszusteigen und zurück nach Kärnten zu gehen.

In Österreich nahm er einen entspannenden Job als Geschäftsführer eines kleinen Umwelttechnologieunternehmens an. „Ich hatte weniger als die Hälfte meines vorherigen Gehalts, aber ich war so glücklich – die Work-Life-Balance stimmte wieder!“, sagt er. Leider stand das Unternehmen finanziell extrem schlecht da und Alexis Gastspiel in der Firma – und somit in Kärnten – gestaltete sich mit nur sechs Monaten recht kurz. Ende 2004 besuchte Alexi ein EY-Alumni-Treffen in Frankfurt, auf dem er viele bekannte Gesichter wiedertraf. EY-Partnerin Elfriede Eckl vermittelte ihm die Erstellung des ersten IFRS-Abschlusses der euNetworks AG auf freiberuflicher Basis. „Der Job lockte mich, weil ich dadurch meinen WP- und StB-Titel zurückbekommen konnte, doch die Firma bot mir wider Erwarten spontan eine Festanstellung als Finance Manager Germany an“, erinnert sich der Alumnus. Kurze Zeit später wurde Alexi befördert und kümmerte sich bis 2010 als Group Financial Controller um die finanziellen Belange der euNetworks – ein Traumjob für ihn, „tolle Abteilung, normale Arbeitszeiten, gutes Gehalt und dennoch keine Riesenherausforderung.“ Dann kam ein neuer CEO an Bord und Alexi musste das Unternehmen verlassen. Die Abfindung war anständig und beflügelte den Alumnus in seinem Wunsch, längere Zeit auf Reisen zu gehen. Er wollte Ruhe haben, zu sich kommen, abschalten. Auf seiner Tour durch Südostasien lebte er in den Tag hinein, ließ sich treiben, genoss das Essen und dachte über das Leben nach. Der Gedanke, seinem Leben eine völlig neue Wendung zu geben, ließ ihn nicht los. Sollte er seine Arbeitskraft wirklich erneut in eine 80-Stunden-Woche fließen lassen, gesundheitliche Probleme in Kauf nehmen und keine Zeit für sein Privatleben haben – oder doch endlich das tun, was ihn schon lange in den Fingern juckte?

Letztlich griff er zum Laptop und legte los. Er hatte schon 1999 spontan in einer Arbeitspause aus Spaß sechs Seiten eines Buchanfangs aufs Papier gebracht, die seitdem unbeachtet in seiner Schreibtischschublade schlummerten. Alexi setzte dort an und tauchte ein in seinen ersten Thriller, schrieb einfach drauflos, war beschwingt. Gelegentlich übernimmt er kleinere Interimsmanagementprojekte – „Du hast doch jetzt Zeit?“, wird er oft von den Auftraggebern gefragt. Seine größte Herausforderung besteht momentan darin, auf dem neuen, noch unbekannten Terrain Fuß zu fassen und die Regeln zu erlernen. „Es rächt sich nun bitter, dass ich mich früher nie mit den Social Media befasst habe“, gesteht der Autor. „Ich gehe noch mit einem Rucksack voller Bücher in die Buchhandlungen und versuche, einen Platz im Regal für meine beiden Werke auszuhandeln. Aber was Bloggen und Twittern bezüglich meiner Abverkaufszahlen bewirken kann, musste ich erst mühevoll lernen.“

Uwe Alexi arbeitet zielgerichtet daran, seine Sichtbarkeit als Thrillerautor zu erhöhen und eines Tages vom Schreiben leben zu können. Die Freizeit und Freiheit, die er heute hat, genießt er sehr. „Endlich komme ich mal zu all den schönen Dingen im Leben“, freut er sich. „Ich lese wieder, gehe aus, fahre Mountainbike, kümmere mich um meinen Garten und bringe mir gerade selbst das Gitarrespielen bei.“ Und dabei kommen ihm die Ideen zum dritten Buch „Blut und Rache“, das noch dieses Jahr erscheinen soll, wie von selbst.

Text und Fotos: Stefanie Herzog

Sie finden die Website von Uwe Alexi unter https://uwealexi.de/.

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Sommernachts-Lesung

Autorengruppe ARS

Literatur am Teichhaus

Teichhaus - (c) Christian Wohlgemuth Teichhaus – (c) Christian Wohlgemuth

Logo (c) Teichhaus Logo (c) Teichhaus

Mitten im Hochsommer, wenn dieser seinen Namen endlich verdient, verzaubern fünf Autoren der ARS Autoren RheinMain Szene die Kurstadt Bad Nauheim. Christan Wohlgemuth, Inhaber des Teichhauses, das direkt am großen Teich mitten im Kurpark liegt, begrüßt die Autorinnen Sabine Marthiensen, Jennifer Hilgert, Aynara Garcia sowie die Autoren Meddi Müller und Uwe Alexi zu einem literarischen Sommerabend am

Donnerstag, dem 18. August 2016 um 19.00 Uhr.

Begleitet wird der Abend von dem Musiker und Songschreiber Harald Andres. Hier bietet sich für die Kurgäste der Stadt und allen Leseinteressierten aus Nah und Fern ein besonderes Highlight, das die Gäste in die unterschiedlichsten Genres entführt.

Die Autorin Sabine Marthiensen liest aus ihrem Buch „Noch 29 cm“. In beeindruckender Weise berichtet sie, wie ihr anhand eines Maßbandes plötzlich klar wurde, dass es sich beim Rest ihres Lebens statistisch gesehen nur noch um…

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Herdentiere, Pokémon-Go und Mode

Wieder verpasse ich einen Trend und kann damit wunderbar leben – was bin ich doch für ein komischer Außenseiter. Hilfeeeee, ich gehöre nicht dazu!

Pokémania greift wieder um sich und die Schäfchen werden eingefangen wie schon beim Rattenfänger von Hameln. Im Prinzip nichts Neues und doch schaltet das Herdentier Mensch seinen eigenen Verstand aus, lässt sich anstecken und denkt dabei sogar, aus eigenen Stücken zu handeln. Genau dasselbe wie im Frühjahr, wenn sich wie immer die trendgeilen Massen von findigen Geschäftsleuten und deren Marketingmaschinerie sogar freiwillig einreden lassen, welche sogenannte Trendfarben sie diesen Sommer zu tragen haben, welches Material in ist und welchen Schnitt die Dame von Welt trägt. Hallo, geht’s noch? Hat auf dieser Welt denn keiner mehr einen eigenen Geschmack? Ist es wirklich erstrebenswert, Schuhe der Marke X und Shirts der Marke Y zu tragen? Für was? Fürs eigene Ego oder was? Bin ich denn niemand ohne diese Marke? Ist es wünschenswert neue Dinge in den Müll zu geben, die ich nur ein paar Mal getragen habe, aber für die unsere Umwelt in einem erheblichen Ausmaß geschädigt wurde? Oder sie zum Kilopreis in andere Dritte-Welt-Länder zu entsorgen, um dort die lokale Bekleidungsindustrie zu zerstören? Ganz ehrlich, es macht mich krank!

Der kleine Mann wettert gegen die pösen, pösen Oberen, die sich ständig nur an uns armen Würstchen bereichern, uns aussaugen, uns bevormunden, uns schlecht regieren, uns in die Armut treiben, uns belügen, etc, etc, wobei sie hingegen immer reicher und mächtiger werden. Der kleine Mann ist aber der erste, der sich eine neue Hose oder Handtasche kauft, obwohl die im Schrank hängenden Massen für eine ganze Kompanie reichen würden, wären sie gerade in der richtigen Farbe oder in der nun angesagten Marke … Gespart wird lieber am Essen oder anderswo als an Trendprodukten – wie ärmlich! Der kleine Mann macht so die Oberen ganz freiwillig wieder ein wenig reicher und gibt ihnen noch mehr Macht. Sind wir alle schitzophren? Herdentreue Tiere sind leichter zu führen und zu manipulieren als die individuellen schwarzen Schafe.

Eltern verstärken ganz absichtlich immer weiter dieses Herdentum – ich wünschte es würde endlich Hirn regnen!

„Wir können es uns leisten …“, „Meine Tochter gehört dazu …“, „Seht mal, wie cool mein Junge in seinen neuen XY aussieht …“ Marken werden zu Persönlichkeitsmerkmalen stilisiert, die wahre Persönlichkeit, sofern nicht schon direkt nach der Geburt manipulativ gekillt, tritt immer mehr zurück. Man ist nicht cool, wenn man anders ist, wenn man Charakter zeigt, nein, am coolsten sind die Herdentiere, die jeden, aber auch jeden Trend mitmachen. Entweder du gehörst dazu oder bist raus! „Was, du spielst nicht Pokémon-Go? Du Loser du, du bist nicht mehr mein Freund!“, „Hast du schon gehört? Die Vanessa hat immer noch das Vorjahresmodell, hihi …“ Wer es sich nicht leisten kann, besorgt sich die Trendprodukte illegal – Werte verkommen, „man schädigt ja nur die reichen Geschäftsleute, da ist wohl das Dein und Mein zu vernachlässigen …“

Handymarken, Spiele, Mode sind zu Bestimmungsfaktoren geworden, ob wir dazugehören oder nicht. Hinter unserem Rücken oder wie es unter Kindern eher üblich ist – ganz offen – wird über uns Trendverweigerer hergezogen. So werden Außenseiter geschaffen, nicht weil sie sich irgendwie sozialwidrig verhalten würden, nein, einfach nur weil sie eigenen Geschmack und Selbständigkeit zeigen. Es fordert Mut, individuell zu sein und sich trendwidrig zu verhalten, den bringen die Wenigsten auf. Diese Entwicklung hat mir schon mein ganzes Leben Angst gemacht. Und jetzt macht sie mir noch mehr Angst, da die Auswirkungen dieses Wahnsinns und das Verkommen der wahren Werte scheinbar unaufhaltsam fortschreitet.

Ich sehe noch mehr als sonst – oder bilde ich mir das nur ein … – arme Jugendliche (arm an direkter Kommunikation, arm an direkten physischen Freunden zum Anfassen, mit denen sie sich noch treffen und sich beim Sprechen tatsächlich gegenseitig in die Augen schauen …) gebannt auf ihr Smartphone (natürlich das neueste Modell der Marke „Blubbs“) starrend über Gehwege, Kreuzungen oder worüber auch immer stolpern. Wahrlich glimpflich laufen solche Blindflüge noch ab, wenn sie dabei mit ihrem Kopf nur gegen den nächsten Laternenmast rennen (wäre ja ein Fortschritt, wenn das so unfreiwillig in Schwingung geratene Hirn dadurch genötigt würde, endlich mit seiner eigentlichen Aufgabe zu beginnen …). Angst macht mir mehr, wenn gleichzeitig der von links heranrasende PKW ebenfalls gerade führerlos ist, weil der angebliche Steuermann dem Trend folgt, jede Nachricht in Echtzeit zu beantworten. Wo driftet diese Gesellschaft nur hin?

Gutmenschen (wie ich dieses Wort hasse …) argumentieren bei ihrem Griff zum neuesten Markenprodukt damit, dass mit No-Name-Produkten die Ausbeutung der armen Menschen in Dritte-Welt-Ländern gefördert würde und sie deshalb aus gutem Gewissen freiwillig mehr Geld ausgeben würden. Sie verkennen dabei, dass der Preis der so tollen Markenprodukte sich oft aus 90% Marketingkosten im weiteren Sinne (mit Gewinnspanne) zusammensetzt, die Produkte meist in denselben Fabriken unten den identisch schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt werden wie das ohne den ganzen Marketingwahn auskommende No-Name-Produkt. Doch die Marken- und PR-Manager leisten hervorragende Arbeit, dies zu verschleiern, und jeden der so etwas über ihre eigene Marke behauptet mit ihren unendlich erscheinenden Finanzmitteln zum Schweigen zu bringen. Hauptsache, das eigene Gewissen mit fadenscheinigen Argumenten selbst überlistet und dem Trend weiter folgen – „ich gehöre dazu, ich bin toll, ich bin trendy!“

Manchmal bin ich richtig stolz, so ein schwarzes Schaf zu sein, das nahezu jeden Trend verpennt und mich frühere Kommilitonen nach vielen Jahren sogar noch am selben schon damals jede Mode ignorierenden Kleidungsstil (Jeans und nicht in den Hosenbund geschobenes Hemd an kälteren Tagen gepaart mit einem Sakko) erkennen können. Ich bin so dreist und gebe zu, dass ich meinen eigenen Geschmack habe und den auslebe und mir sogar erlaube, meine Kleidung so lange zu tragen, bis sie verschlissen ist – oups ist das langweilig und so total untrendy … und verzeiht, liebe Markenmanager, dass ich so ein schlechter Kunde für euch bin, aber das bin ich von ganzem Herzen!

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Zeit der Besinnung!

Allzu leicht vergessen wir, sie uns zu nehmen, viel zu sehr sind wir in unseren unbarmherzigen Hamsterrädern gefangen und gezwungen, weiter zu stolpern. Zumindest bilden wir uns das ein. Doch sind wir wirklich gezwungen? Können wir nichts ändern? Sind wir auf dem richtigen Weg oder sollten wir in unserem kurzen Leben nicht anfangen, gegenzusteuern?

Wie oft passiert es, dass wir ganz bewusst eine Zeit der Besinnung einlegen? Ich kann es euch sagen: viel zu selten und das hat fatale Folgen! Und ich behaupte mal ganz dreist, dass das auf 99,9% aller Menschen zutrifft. Ja, ich denke, fast jeder von uns hat die ein oder andere Besinnungsphase schon hinter sich, in der er feststellte, dass es besser wäre, etwas im eigenen Leben zu ändern. Im Alltag sind die persönlichen Ziele irgendwo auf der Strecke geblieben. Finden wir sie wieder? Haben wir uns überhaupt bemüht, sie jemals richtig zu definieren? Wie geht das überhaupt? Habe ich mir tiefgründig überlegt, wohin meine Reise hingehen soll? Und ist das wirklich wichtig oder ist nicht der berühmte Weg das Ziel? Was ist mein persönlicher Lebensweg?

Ich muss zugeben, ich habe schon einige Phasen der Besinnung gehabt und musste immer nach einiger Zeit bedrückt feststellen, dass ich zwar an mir gearbeitet und manchmal auch einige Dinge geändert, doch mich dann viel zu schnell wieder in meinem persönlichen Hamsterrad wiedergefunden habe. Rasch kehrt der böse Alltag zurück, die eingetretenen Pfade sind wie starke Magnete. Das wahrlich Erschreckende daran ist, wie lange es stets dauert, bis ich mir darüber klar werde, dass es wieder mal so weit ist. Gefangen im eigenen Trott, die anfänglich begeistert umgesetzten Vorsätze nach und nach verloren, der Schlendrian ist wieder eingezogen.

Dabei sollte es doch gar nicht so schwer sein, jeden Tag aufs Neue in sich hineinzuhören und ganz konkret den Tag nach seinen Bedürfnissen auszurichten. Klar, wir alle unterliegen gewissen Zwängen, denn wir sind nicht allein auf dieser Welt, haben Verantwortung für andere und übernehmen diese auch gerne, denn es ist ein wunderbares Gefühl anderen etwas zu geben – ich spreche hier explizit nicht von materiellen Dingen. Was wir nur allzu gerne übersehen, ist, dass diese Zwänge oft überhandnehmen und uns mehr und mehr erdrücken. Warum lassen wir das zu?

Wir Menschen tendieren gerne dazu, es allen recht machen zu wollen. Man bekommt so schnell Lob und Anerkennung oder einen dankbaren Blick. Das tut der Seele gut. Doch meist nur kurzfristig, wenn wir eben wieder in der Phase sind, in der wir unser Ich kleingemacht haben, nicht mehr auf es hören und statt dessen nur noch funktionieren – kurzum wir sind wieder in unserem Hamsterrad gelandet, anstatt freibestimmte Geister zu sein, die in sich selbst reinhören, die mit sich selbst und dem eigenen Körper im Reinen sind.

Sind denn die meisten Zwänge, denen wir unterliegen oder zu unterliegen glauben tatsächliche Zwänge? Muss das genau so sein? In dem ein oder anderen Artikel über mich werde ich als Aussteiger bezeichnet, da ich mein Leben schon mehrmals radikal geändert habe. Aus der Erfahrung kann ich euch sagen, nein, die meisten Zwänge, denen wir glauben zu unterliegen, gibt es nicht. Sie sind hausgemacht. In unserem eigenen Kopf so hingeschustert, weil wir uns allzu gerne von Partnern, Eltern, Verwandten, Freunden, Kirche, Medien und der übrigen Gesellschaft massiv beeinflussen lassen. Darüber sind wir uns gar nicht so bewusst und somit arten sehr häufig selbst gut gemeinte Ratschläge irgendwann in Zwänge aus. Dringend Zeit für ein Reset und dafür benötigt man sie: die Zeit der Besinnung!

Wann hattest du deine letzte Zeit der Besinnung? Wann hast du über dein Leben nachgedacht, über deine Träume, deine Ziele, deine Wünsche, deine Bedürfnisse? Wann gehst du ganz allein nur in dich selbst und befragst dein eigenes Ich? Wer ist überhaupt dein Ich und was will es? Werde dir klar, ob dein jetziger Alltag irgendetwas damit zu tun hat oder nur noch ein Produkt deiner Umgebung ist! Überwinde deinen inneren Schweinehund, höre in dich hinein, besinne dich wieder mal auf dich selbst!

Der Idealzustand wäre natürlich, jeden Tag zu genießen, das zu tun, was dem eigenen Ich am besten tut, ohne dabei mit seiner Umgebung in eine Unstimmigkeit zu gelagen, und das ganz ohne ein erneutes Reset zu benötigen. Doch das Hamsterrad scheint magische Anziehungskräfte zu haben, man verliert sich leider allzu schnell. Ich bin schon froh, dass ich mir von Zeit zu Zeit eine Phase der Besinnung nehme, in der ich einiges ändere. Schön wäre es, wenn es mir gelingen würde gegenzusteuern, bevor ein Leidensdruck entsteht. Doch das scheint eine Illusion zu sein. Somit wird nach meiner derzeitigen Phase der Besinnung mit weitreichenden Änderungen sicher die nächste, die übernächste, und die … folgen.

Der beste Ort zur Besinnung ist für mich übrigens die Natur. Sei es eine längere Zeit am Strand, wie ich sie gerade in Thailand erleben durfte, Spaziergänge im Wald oder auf den Feldern. Als Beitragsbild habe ich deshalb ein Rapsfeld genommen – ich finde Rapsfelder wunderschön, besonders wenn an einem sonnigen Tag mit blauem Himmel der Wind die Blüten in Schwingung versetzt und so Wellen das Feld durchrauschen.

Warte nicht länger: Lege sie ein – deine ganz persönliche Zeit der Besinnung!

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Die Buchhandlung von nebenan

Es gibt sie noch: die Buchhandlung von nebenan. So eine, wie die aus meiner Kindheit, als ich an der Hand meiner Oma, des Öfteren den Laden in der Wiesbadener Fußgängerzone betrat. Ich erinnere mich so, als wenn es gestern gewesen wäre. Es roch so schön nach Büchern, die Regale waren riesig hoch, es herrschte ein reges Treiben. Kunden wanderten mit ihren Augen von links oben nach rechts unten, nur um dann beim nächsten Regal wieder links oben anzufangen, immer darauf erpicht, nur kein interessantes Objekt zu übersehen. Andere blätterten mit ernster, manche mit erheiterter Mine im Gedruckten, das sie vorsichtig in den Händen hielten wie rohe Eier. Bücher sind etwas Kostbares und es ist ein Frevel, sie nicht sorgsam zu behandeln. Dieses Wissen war früher deutlich weiter verbreitet als heutzutage. In einer Sitzecke machten Leseratten es sich gemütlich, die etwas länger Zeit zum Verweilen hatten. Dazwischen Buchhändler (meist „-innen“), die für jeden Rat gerne zur Seite standen. Die gute alte Zeit!

An die meisten Exponate kam ich erst gar nicht ran, war ich doch nur etwas größer als ein laufender Meter. Und das war gut so, denn diese Bücher wären so gar nichts für mich gewesen, und doch faszinierte mich stets die Vielfalt in den beeindruckend vollen Schrankwänden. Wenn ich groß wäre, würde ich eine riesige Bibliothek haben, so nahm ich mir vor.

Ich ging zielstrebig in die Kinderbuchecke und war in meinem Paradies. Auch wenn ich zu dieser Zeit schon wusste, mit welchem Buch ich (dank Omas großzügiger Unterstützung) den Laden wieder verlassen würde, stöberte ich nach Herzenslust in Büchern, die schön aussahen, deren Titel mich interessierten oder deren Inhaltsangabe auf der Rückseite ich spannend fand, sofern ich sie überhaupt verstand (das Wort Klappentext kannte ich noch nicht). Ich genoss, die Buchseiten umzublättern und das unterschiedliche Papier zu fühlen. Mal war es glatt wie Butterbrotpapier, mal etwas rauer, mal dünn wie Pergament, mal dick wie richtiger Karton. Es war einfach nur schön und aufregend.

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Oma wurde in dieser Zeit von der netten Buchhändlerin über Bücher informiert, die sie meist selbst gelesen hatte, oder von Empfehlungen ihrer Kunden her als besonders lesenswert erachtete. Wie Oma letztlich ihre Auswahl traf, erschloss sich mir nicht, ich war ohnehin viel zu sehr beschäftigt in meiner Ecke und war stets enttäuscht, wenn sie mich viel zu früh abholte, da es angeblich Zeit zum Gehen war. Wie immer hatte ich einen neuen Band der Pitje Puk Reihe von Henri Arnoldus in der Hand und strahlte vor lauter Vorfreude auf meine spätere Lektüre wie Pumuckl nach einem gelungenen Streich.

WDV Herr Kelkheim

Die Zeiten haben sich seit dem dramatisch geändert. Viele Dinge, die damals schön waren, gibt es heute kaum noch und dafür sind wir selbst mitverantwortlich. Unsere Innenstädte sind ärmer geworden, viel ärmer. Gefällt es jemandem, dass es inzwischen fast völlig egal ist, ob man gerade in Hamburg, Zürich, Frankfurt, Wien oder Berlin durch die Fußgängerzone geht? Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen, denn mir geht dieser Einheitsbrei gewaltig auf den Senkel. Überall die gleichen Shops der großen Ketten, Gleichmacherei allen Ortens, kaum noch individuelle kleine Läden – wir haben sie fast alle sterben lassen. Manche Ladeninhaber haben auch nicht die Kraft und Kreativität gehabt, mit einer schier übermächtig erscheinenden Konkurrenz mitzuhalten.

Und doch gibt es sie vereinzelt hier und da noch: die Läden von nebenan. Und wisst ihr was? Wir haben die verdammte Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie überleben und uns weiterhin mit ihrer Individualität und tollen Beratung erfreuen, sonst wissen unsere Kinder bald nicht mehr, wie ein kleiner unabhängiger Buchladen aussieht, wie er riecht, wie toll man dort stöbern und interessante Gespräche mit den netten Buchhändlern führen kann. Man ist dort keine Nummer, man ist kein anonymes Login, keine Trackingnummer, nein, ich bin Kunde, Mensch, Leser und Gesprächspartner. Meine Wünsche finden dort Gehör. Sind die Bücher hier teurer? Nein, sind sie nicht. Brauchen sie länger, um bei mir zu sein? Nein, denn wenn sie gerade nicht lagernd sind, so sind sie in der Regel am nächsten Tag schon da und das ganz ohne kostenpflichtigen Premiumaccount oder wie auch immer das heißt. Aber oft kann ich meine neuen Schätze sofort mitnehmen. Hier kann man interessanten Lesungen lauschen und dem ein oder anderen Autor die Hand schütteln und signierte Exemplare bekommen. Geht das alles virtuell? Nein! Also lasst uns doch bitte wieder verstärkt lokal einkaufen, eure Lebensqualität und eure Kinder werden es euch danken!

Bild Oestrich Buchhandlung Idstein

Dieser Beitrag ist am 28.06.2016 in der Huffington Post erschienen: Hier geht es direkt zum Artikel in The Huffington Post.

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Meine erste kleine Onlinelesung

Lange ging ich mit dieser Idee schwanger, doch wie ist das bei allen guten Babys? Sie brauchen ihre Zeit zum Reifen. Anfänglich hatte ich es mit der Webcam meines Laptops versucht, doch das Resultat überzeugte mich nicht. Also hatte ich das Projekt erst mal aufs Eis gelegt. Nun mehr als ein Jahr später und vor allem ein paar Monate nach der Anschaffung meiner Nikon D7200 habe ich es noch einmal gewagt. Leider waren die Lichtverhältnisse nicht so gut, es ist immerhin wohl der gewittrigste Sommer hierzulande. Ständig hängen düstere Wolken am Himmel und entladen sich mit einem grollenden Poltern. Lauter Regen prasselt auf uns nieder in noch nie dagewesenen Mengen. Todesmutig wage ich mich an das Projekt (ok, ok, ich mache es im trockenen Esszimmer vor meiner Büchervorratswand), doch im Zimmer ist es so dunkel, als würde die Welt untergehen.

Kameraposition gefühlte hundert Mal geändert, Licht an, Licht aus, Beleuchtung von der Seite, von oben oder gar nicht, zoom rein, zoom raus, … Irgendwie dauert das alles furchtbar lange und doch macht es mir Spaß. Hätte ich nur gewusst, dass das Video zu drehen nur ein klitzekleiner Schritt ist … Die große Arbeit kam hinterher. Womit kann man ein Video schneiden? Mit dem Windows Movie Maker kam ich irgendwie nicht zurecht, habe mich zu blöd angestellt und es gibt einfach zu wenige Möglichkeiten in diesem Programm. Also entnervt aufgegeben und nach einer Alternative gesucht. Die habe ich schließlich in VideoPad gefunden. War trotzdem sehr schwer, mich damit zurechtzufinden.

Das Rauschen hat mich genervt und nervt mich immer noch (besonders am Anfang der Lesung). Zwischendurch war ich ganz stolz auf mich, denn als das Video fertig geschnitten war, habe ich es geschafft, die Tonspur von der Videospur zu trennen und separat abzuspeichern. Der große Durchbruch schien geschafft.

Nach einer guten Audiobearbeitungssoftware gesucht und Audacity gefunden. Konnte die Tonspur schön verbessern und freute mich schon wie ein Schnitzel. Doch mit der neuen verbesserten Tonspur machte nun VideoPad Probleme. Das Programm ließ mich die neue Tonspur nicht ins Video einbinden und teilte mir stattdessen mit, dass in der neuen Datei kein gültiger Videostream enthalten sei – hallo?! Ich habe doch den Audio- ganz bewusst vom Videostream getrennt und will nur den Audiostream austauschen. Verdammte Technik. Nach mehreren Versuchen habe ich schließlich aufgegeben. Das nächste Video wird hoffentlich etwas rauschärmer – ich kann nur dazulernen! Hat vielleicht jemand einen Tip?

Ich bin gespannt, was ihr zu meiner ersten Kurzlesung auf YouTube haltet, und freue mich sehr über euer Feedback!

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Mekka für emotionale Erpresser

Wohl jeder, der im Bereich der sozialen Netzwerke (um zur Abwechslung mal einen Anglizismus zu vermeiden) unterwegs ist, kennt sie. Die besonders „guten“ Menschen, die sich gerade um irgendetwas große Sorgen machen, die eventuell selbst betroffen sind oder einfach nur schnell durch einen simplen Post die Welt retten wollen. Wir alle lesen mal mit mehr, mal mit weniger Anteilnahme und/oder emotionaler Bestürzung ihre Beiträge.

Da heißt es, „Jeder, der das liest und das ebenso sieht wie ich, muss dies nun Teilen!“, „Jeder,  der auch nur ein bisschen Herz hat, wird …“ oder „Ich kann mir schon denken, wer von meinen Freunden das liest wirklich xy machen wird …“ Diese Beiträge sehen für manche auf den ersten Blick total harmlos aus und da sie inhaltlich oft genug zustimmen, teilen sie sie gerne und beteiligen sich damit munter selbst an … einer emotionalen Erpressung! Oft geht es sogar so weit, anzudrohen, dass die bösen, bösen Leser, die  nicht xy machen, selbstverständlich umgehend von der Freundesliste entfernt werden. Schon interessant, dasss jemand, der gerade im Urlaub ist und keine Lust auf soziale Medien hat, oder der durch die immer weiter umgreifende Willkür der Seitenbetreiber, die Reichweite der Posts einzuschränken, durchs Rost gefallen ist und den doch so ungemein wichtigen Beitrag gar nicht lesen konnte, sich plötzlich in der sozialen Isolation befinden soll. Von allen entfreundet – keine Internetfreunde mehr – ahhhh was muss ich für ein Loser sein!

Alle, die nun in Panik verfallen und schon anfangen, bitter zu bereuen, den letzten hundert emotionalen Erpressungen des heutigen Vormittags nicht entsprechend Folge geleistet zu haben, kann ich beruhigen: So gut wie nie, werdet ihr von der Freundesliste gestrichen oder sonst wie öffentlich geächtet. Puh … tief durchatmen: Nochmal gutgegangen, gerade so die Kurve gekriegt, dem SuperGau entkommen!

Wir leben heute in einer omnipräsenten medialen Welt. Egal welche Neuigkeiten es gibt, oder machmal muss es leider auch heißen, egal welche Falschmeldungen gerade lanciert werden, sie erreichen uns fast alle. Unser Smartphone verbringt deutlich mehr Zeit mit uns als unsere Partner und Kinder. Egal ob man das nun gut oder schrecklich findet, es wird sich nicht ändern, zumindest auf absehbare Zeit. Können wir bei dieser Informationsüberflutung tatsächlich auf jede einzelne Meldung eingehen? Dringen sie überhaupt alle in unser Bewusstsein? Nein, definitiv nicht, somit entgeht uns auch der ein oder andere Erpressungsversuch meist ohne irgendwelche Folgen für uns.

Was treibt jemanden an, einen solchen Erpressungsversuch zu starten? Wir alle erpressen unsere Mitmenschen tagtäglich mit unserem Verhalten und mit unseren Worten. Klingt schockierend, ist aber so! Viele sind sich dessen nicht einmal bewusst. Doch ist es etwas anderes, jemanden durch eine Mimik begreiflich zu machen, dass das eben Gesagte nicht meine Zustimmung findet und ich so meinem Gesprächspartner nahelege, noch einmal darüber nachzudenken, oder ich ihn direkt erpresse, in dem ich ihm mit einem möglichst emotional gestalteten Beitrag klarmache, dass wenn er mir da nicht zustimmt, er ein schlechter Mensch und er somit meiner virtuellen oder gar realen Freundschaft nicht mehr wert sei.

Die ursprünglichen Verfasser dieser Beiträge sind wohl oft selbst Betroffene, Menschen wie du und ich in schwierigen Lebenssituationen. Das Erstellen und anschließende Bestreben seine eigenen Worte möglichst weit zu verbreiten, soll meist der Beruhigung des eigenen Gewissens dienen, oft auch der eigenen Heilung. Meist ist es aber ein Schrei nach Aufmerksamkeit, ab und zu verbirgt sich sicher auch ein WebTroll dahinter. Was auch immer es ist, viel mehr interessiert mich die nächste Frage, denn die gibt dem Erpresser erst Nahrung.

Was treibt jemanden dazu, sich erpressen zu lassen? Das Fatale an dem Ganzen ist wohl, dass die Wenigsten, die solch einen Beitrag bekommen, ihn ausreichend hinterfragen. Es ist natürlich toll, sich dafür stark zu machen, dass nun mal alle, die irgendjemanden kennen, der an Krebs leidet oder jemanden kennen, der ein Bekannter ist, von jemandem der Krebs hat, also in ganz einfachen Worten – jeder von uns – fünf Minuten innehält und all jenen Betroffenen dieser schrecklichen Krankheit gedenkt. Somit ist es sehr einfach und liegt nahe, einen solch emotional erpressenden Beitrag zu teilen!

Viele machen sich gar keine Gedanken und drücken den Teilen-Knopf nur allzu gerne. Dass sie selbst damit zu emotionalen Erpressern werden, wird teils billigend, teils verdrängend in Kauf genommen. Das beruhigende Gefühl, etwas anscheinend Gutes geteilt zu haben, rechtfertigt die nächste emotionale Erpressung. So haben schon Kettenbriefe funktioniert und werden wohl auch niemals auf die rote Liste der aussterbenden Spezies kommen.

Ich persönlich wehre mich dagegen. Ja, ich gebe es zu, ich bin so dreist und lasse mich nicht erpressen. Egal von wem. Wann immer ich auch nur sinngemäß irgendwo über den Teilsatz „Wer das nun liest und zustimmt, soll/muss …“ stoße, wird der Beitrag ignoriert, ja ich versuche ihn sogar bewusst zu vergessen oder zu verdrängen. Erpressung ist nicht – zumindest nicht mit mir. Wenn die meisten so handeln würden, wäre dieses leidige Thema schnell vom Tisch. Macht bitte alle mit und entzieht dem Mekka für emotionale Erpressungen das Futter – trocknet diesen Sumpf aus!

Dieser Beitrag ist auch in Huffington Post erschienen: Hier geht’s zum Huffington Post Artikel.

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